Reisebericht Oman – Jebels Shams, Nizwa und Jebel Al-Akhdar im Hadschar-Gebirge

Reisebericht Oman: Nikki steht am Rand des Grand Canyons auf dem Dschabal Schams.Ein spannender Tag liegt vor uns: Arabisches Frühstück im Camp auf dem Jebel Shams, danach noch einmal zum großen Canyon, weiter über Nizwa zum Jebel Al-Akhdar. Verlassene Bergdörfer, spektakuläre Serpentinen und atemberaubende Aussichten. Reisebericht Oman Nikki&Michi, Tag 4.

Vom Dschabal Schams nach Nizwa

Die Sonne schmeichelt sich langsam über die ersten Gipfel als wir zum Frühstück erscheinen. Es gibt Dhal (auch Dal genannt), Linsen mit Tomaten und Gewürzen, süße Nudeln. Das Toast brauchen wir gar nicht. Omanisches Frühstück ist lecker und macht satt. Wir brechen schnell aus dem tollen Jebel Shams Camp auf – und genießen noch einmal die spektakuläre Aussicht am „Grand Canyon“ des Oman. Dann probieren wir, wie schnell man die Serpentinen von rund 2000 Meter hinunter schafft. Der erste Pistenteil erfordert Vierrad-Antrieb und Aufmerksamkeit, weil es – wie so oft – keine Geländer oder Leitplanken gibt. Das ist aber auch gut so. Nicht wegen des Nervenkitzels, sondern wegen der ungetrübten Aussicht. In der Ortschaft Ghul machen wir Halt und lassen den Blick über den Palmenhain streifen. Dann geht’s weiter zurück nach Nizwa.

Im Souk von Nizwa

Nizwa: Bunte Nüssen warten in Säcken auf Käufer. Nizwa ist die heimliche Oasenhauptstadt.

Nizwa: Bunte Nüssen warten in Säcken auf Käufer. Nizwa ist die heimliche Oasenhauptstadt.

Der kleine Stopp in der heimlichen Oasen-Hauptstadt Nizwa führt uns zunächst in den Souk. Hier kaufen wir Anis und – ja, Muskat-Nüsse. Okay, hat die Hauptstadt Omans ihren Namen von den Muskat-Nüssen? Nee. Laut Überlieferung setzt sich der Hauptstadtname aus zwei Silben zusammen, die „Ort“ und „Fallen“ bedeuten. Das meinte offenbar: „Anker fallen lassen“, im heutigen Hafen von Maskat (Muscat, gesprochen Masskatt). Und doch hat die altertümlich große Seefahrer-Nation dennoch viel mit den würzigen Muskatnüssen zu tun: die wurden hier nämlich schon im 11. Jahrhundert gehandelt.

Das Fort und die große Moschee von Nizwa

Danach besuchen wir das stattliche Fort von Nizwa. Die Räume sind liebevoll eingerichtet, es wird viel erklärt. So erfahren wir, dass Angreifer mit heißem Dattelsirup übergossen, in Falltüren gelockt und mit vielen verwinkelten Gängen verwirrt wurden. Ein Besuch lohnt sich, vielleicht auch ein paar Sekunden im düsteren Kerker mit Ketten an den Wänden. Wer kräftig schaudert, entgeht der Hitze außerhalb der Mauern für ein Weilchen. Heute am für Muslime feierlichen Freitag, läuft wirklich alles, was Beine hat, zur Moschee. Der Ruf schallt am Mittag durch die ganze Stadt. Dann steht das Leben in Nizwa. Nur ein paar indische Hindus sitzen im Schatten der Bäume auf dem Platz vor der Moschee. Der Rest eilt im schönsten Gewand mit dem Gebetsteppich unter dem Arm dem Ruf des Muezzins entgegen.

Ursprüngliches Oman: Bergdörfer im Hajar-Gebirge (Hadschar)

Wadi Bani Habib: ein verlassenes Bergdorf im Hadschar-Gebirge schmiegt sich an den Hang.

Wadi Bani Habib: ein verlassenes Bergdorf im Hadschar-Gebirge schmiegt sich an den Hang.

Zeit für uns, durchzustarten. Zum Jebel Al-Akhdar (Dschabal al-Achdar), dem westlichen Teil des Hajar-Gebirges (auch Hadschar). Kurz nach der Abfahrt müssen wir die Papiere vorzeigen. Hier ist alles Militärgebiet. Außerdem wird hier gestoppt, wer kein 4WD-Drive hat. Vierrad-Antrieb ist also Pflicht. Die Strecke ist extrem angenehm asphaltiert. Fahrspaß gibt’s dennoch für alle, die die Arme trainieren wollen – Serpentinen ohne Ende. Und immer wieder atemberaubende Blicke von über 2000 Metern hinunter in die Dörfer am Fuße des Gebirgszuges und auf die Straße, die hinter dem Jeep liegt. Es wird etwas kühler. Aber Vorsicht, die Sonne ballert gnadenlos. Oben wartet das Saiq-Plateau. Hier gibt es viele ursprüngliche Bergdörfer, in die noch kaum Touristen vordringen. Ein tolles Gebiet für Erkundungen. Wir fahren ins Bergdorf Al-Ain (Al-Ayn). Hier muss man nur ein paar Schritte durch das Dorf oder die kleinen Felder gehen, dann bietet sich eine spektakuläre Aussicht auf Terrassenfelder am Berghang. Hier versteht man sofort den Namen Jebel Al-Akhdhar – der grüne Berg. Hier ist alles fruchtbarer, weil es öfter regnet und der Boden das Wasser besser speichert. Die Bewohner von Al-Ain sind freundlich, wenn man sich ruhig und zurückhaltend verhält. Spaghettiträger und kurze Hosen sind, wie überall im Oman, völlig deplatziert.

Nikki auf einer Klippe am Saiq-Plateau im Hadschar-Gebirge.

Nikki auf einer Klippe am Saiq-Plateau im Hadschar-Gebirge.

Sonnenuntergang auf dem Saiq-Plateau

Wir dringen noch tiefer auf das Saiq-Plateau vor, fahren ins Wadi Bani Habib. Hier gibt es ein verlassenes Bergdorf. Am Ende der Straße muss man abwärts, dann durch das Flussbett wandern, auf der anderen Seite etwas bergan. Dann durchstreifen wir die Ruinen. Die Sonne steht schon tief, als wir wieder zurück zum Hochplateau fahren. Wir fahren mehrere Aussichtspunkte an und cruisen über verschlungene Straßen an Berghängen, die für Suizid gefährdetete Menschen eine interessante Alternative darstellen würden. Dann setzen wir uns auf die Klippen, auf denen offenbar schon Lady Diana ein Picknick genoss. Wir genießen den Sonnenuntergang. Und eine Stimmung wie vor vier Jahren in den Bergen von Jordanien, Petra (Reisebericht Jordanien). Heute ist unser Verlobungstag. Vor vier Jahren versprachen wir uns die ganz große Reise hoch oben am Opferplatz in der nabatäischen Felsenstadt Petra.

Sonnenuntergang im Hajar, Oman: Michi blinzelt in die letzten Sonnenstrahlen.

Sonnenuntergang im Hajar, Oman: Michi blinzelt in die letzten Sonnenstrahlen.

Verlobungstag auf dem Jebel Al-Akhdar

Das Abendessen im Jebel Al-Akhdhar-Hotel schmeckt nun doppelt so gut. Vielleicht auch ein wenig wegen des „Chateauneuf Du Pape“, den der indische Kellner zwinkernd aufgetrieben hatte. Und das im streng religiösen Oman. Hier gibt es nirgendwo Alkohol zu kaufen. Naja, das stimmt nicht ganz. Es gibt – ganz versteckt – so genannte Liquor-Stores (wie etwa in Jordanien). Die Schaufenster sind mit braunem Papier ausgeschlagen, sehen aus wie verlassen. Nur wer arbeitet, kann Alkohol kaufen. Es gibt eine Art Lizenzheft in dem Rationen zugeteilt werden, erzählt uns eine Gastarbeiterin aus Dänemark. Die Ration soll sich verrückterweise am Lohn orientieren. Aber auch Touristen müssen nicht ganz abstinent leben: In ausgewählten Hotels mit Lizenz gibt es einen Drink – meist allerdings nur zum Essen. Wie hier im Jebel Al-Akhdar-Hotel, das überhaupt sehr zu empfehlen ist. Die spektakulären Aussichten in der unmittelbaren Nähe taugen auf jeden Fall für Verlobungen und mehr. Wir tippen noch einen kleinen Teil vom Reisebericht Oman, Tag 4 – dann sinken wir in die Laken…

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2 comments

  1. Pingback: Oman: Wadi Shab, Tiwi und Sultan Qaboos Moschee | Reiseberichte Nikki&Michi

  2. Bernd

    Eine tolle Reise! Ich mag den Orient auch und würde gerne einmal den Oman besuchen. Eure Berichte machen auf jeden Fall Spaß! Mehr davon!

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