Tag 7 – Plettenberg über Port Elizabeth bis Addo National Park

Plettenberg Bay ist ein Badeort an der berühmten Garden Route in Südafrika. Einer der beliebtesten. Unser Lieblingsort ist „Plett“ allerdings nicht. Große Teile des ehemals wohl stolzen Strandes sind weggespült. Vom Hügel am Ortseingang hat man noch einen tollen Blick über die Bucht und die dahinter liegende Lagune. Aber das war es dann auch schon. Wir liegen in unserer reetgedeckten süßen Hütte im Whalesong Hotel&Hydro. Mit einem wirklich hübschen Panoramablick über die Bucht. Das entschädigt für den sonst langweiligen Ort.

Gestern haben wir Snoek-Küchlein mit Chili (Barracuda) und Ostrich (Strauß) gegessen. Leider fuhren nachts die Lkws den Hügel nach Plettenberg hinauf. Das störte die Nachtruhe ein wenig. Wir beschließen, weiter zu fahren. Viel weiter. Vorbei am Tsitsikama National Park über die N2 bis Port Elizabeth – der größten Küstenstadt zwischen Kapstadt und Durban. Optischer Eindruck und Reiseführer vermitteln schnell den Eindruck: Hier muss man nicht unbedingt gewesen sein. Wir fahren weiter, weg von der Küste. Ins Inland, den afrikanischen Busch.

Elend in den Townships bei Port Elizabeth

Direkt hinter der Stadt, die kurz nur PE genannt wird, biegt eine Straße ins Landesinnere ab. Hier liegen hinter großen Gatterzäunen die Townships, die Elendsviertel der südafrikanischen Autometropole. Menschen in zerlumpten Kleidern, andere, die ihr weißestes Hemd angezogen haben, Kinder in Schuluniformen, Bettler, zerbeulte Autos und Luxuskarossen auf der Durchreise wuseln durcheinander. Vor einem Schrottplatz, um den in Europa kein Zaun gezogen werden müsste, drücken sich Menschentrauben am Stacheldraht, um ein Stück Blech zu ergattern. Schiefe Hütten aus Blech und Holz in den verschiedensten Farben stehen dicht gedrängt. Darüber ein Gewirr aus Kabeln an wenigen Masten. Abends wird die Szenerie von Lampen notdürftig erhellt, die in Deutschland auf Supermarkt-Parkplätzen eingesetzt werden. Das Elend ist bedrückend. Vor allem, weil wir wissen, dass diese Townships noch zu den besseren gehören. Wir fahren an einem endlos langen mit Gras bewachsenen Grundstück vorbei. Dahinter liegen weit verstreut tausende Steine, Scherben und in die Erde gerammte Blechstücke und Holzlatten. Namen stehen darauf. Der Friedhof direkt gegenüber den Armenvierteln. Wer es nicht schafft, wechselt hier nur die Straßenseite. Afrika hat eine verdammt geringe Lebenserwartung. Hier ist sie wohl besonders niedrig. Wir schweigen fast 40 Kilometer lang auf der Fahrt tief in den afrikanischen Busch.

Addo Elephant National Park

Der heiße afrikanische Wind weht uns die dunklen Gedanken aus der Seele. Addo. Buschland. Hinter dem armen kleinen Ort erstrecken sich 500.000 Hektar geschütztes Land. Der Greater Addo Elephant National Park. Einer der Geheimtipps, um große Tiere in freier Wildbahn anzutreffen. Wir sind gespannt uns freuen uns, hier das Reisemotto vieler Traveller umsetzen zu können: Take only pictures, leave only footprints. 1931 lebten hier, rund 70 Kilometer von Port Elizabeth entfernt, nach wilder ungezügelter Jagd nur noch elf Kapelefanten. Der Addo National Park zählt heute wieder über 450 dieser stolzen Tiere. Dazu kann man Löwen sehen, Büffel, Zebras, viele Vögel, verschiedene Antilopenarten und noch mehr.

Zuurberg Mountain Inn and Village – Protea Hotel

Wir sind schon längst an Addo vorbei, auf dem Weg zum Zuurberg-Pass. Die Straße ist ungeteert, der Sonne ist bereits verschwunden. In der Dämmerung erreichen wir fünf Kilometer hinter dem Pass unsere Unterkunft, das Zuurberg Mountain Inn (gehört heute zur Protea Hotel Kette). Ein fantastischer Ort für eine Übernachtung in der Wildness. Das Hotel gibt es seit 1861. Seitdem sind einige schöne Cottages dazu gekommen. Aber das Haupthaus strahlt noch viel von der Gemütlichkeit alter Tage aus. Ein Ort mit Charme und Seele – und vielen herzlich netten Seelen, die einen Aufenthalt überaus angenehm machen. Am Abend gibt es Braten. Fünf Stunden war er in der Röhre. Der Felsen Fleisch findet bei der wenige Dutzend zählenden Gästeschar großen Anklang. Auch der Rest der Abendmahlzeit ist in Windeseile bis auf Restbestände dezimiert.

  1. Kathrin Müller says:

    Hallo,

    Der Reisebericht ist wirklich hilfreich. Plane momentan auch eine Rundreise durch Südafrika. Ich starte ab Port Elizabeth. Habe dafür auch schon einen Mietwagen. Meine Frage an Euch: habt ihr damals direkt bei einer Mietwagenfirma gebucht oder auch über eine Website?

    Danke für die Hilfe

    Gruß

    Kathrin

  2. Hi Kathrin,

    wir haben Flug und Mietwagen im Paket gebucht, dazu Hotelgutscheine. Das System heißt Free&Easy. Eine schöne Geschichte, sehr flexibel. Wir sind allerdings von Kapstadt aus gestartet, PE ist ein seltsamer Ausgangspunkt für eine Rundreise, aber so sind sie, die verschlungenen Wege – offline wie online … ;-)

    Nikki&Michi

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