Die ersten Pyramiden – Ägypten – Tag 2

Kamel eines Polizisten vor der Roten Pyramide in Dashur, Ägypten. Foto: www.nikkiundmichi.deAhmed ist mitsamt Minibus und Fahrer pünktlich um 8.30 Uhr vor dem Hotel. Drei Tage werden wir zusammen unterwegs sein. Eine ganz private Tour ohne weitere Gäste durch Kairo und Umgebung. So werden wir auf unserer Rundreise durch Ägypten unterwegs sein. Die Pyramiden erkunden, die Wiege der Menschheit verstehen. Ahmed kennt die Zusammenhänge, weiß Antwort auf jede Frage Der Ägyptologe ist seit 20 Jahren als Fremdenführer im Geschäft.

Meidum: eine der ersten Pyramiden

Wir fahren Richtung Süden. Durch die Wüste. Nur der schwarze Asphalt trennt die Sandmassen. Doch dann tauchen am Horizont Palmwipfel auf. „Das ist El-Faijum“, erklärt Ahmed. Eine gigantische Oase. Ein Arm des Nils bringt Wasser hierher, ermöglicht Leben. Deswegen sprechen die meisten Ägypter auch nicht von einer Oase, sondern von der Provinz Fayyum. Ahmeds Erklärung leuchtet ein: „Oasen werden von Grundwasser gespeist, nicht von Flüssen“. Noch eine Abzweigung, dann ein Militärposten. Die Polizisten schultern ihre Uzis und AK-47-Gewehre, begleiten uns zur Pyramide von Meidum. Der Bau ist beeindruckend. Er ist nach der Pyramide von Sakkara einer der ersten Dreiecksbauten mitten in der Wüste. Pharao Snofru soll sie gebaut haben. In der vierten Dynastie. Das heißt, der Steintempel von Meidum ist rund 4500 Jahre alt. Unvorstellbar.

Abstieg zur Grabkammer der Pyramide von Meidom, Ägypten. Foto: www.nikkiundmichi.de

Allein in der Grabkammer von Meidum

„Kaum ein Tourist verirrt sich hierher“, sagt Ahmed. „Die meisten schauen sich die berühmten Pyramiden von Giza an und reisen dann weiter.“ Wir freuen uns, Meidum allein besichtigen zu können. Und es kommt noch besser. Wir dürfen durch den engen Schacht in die Grabkammer kriechen. Zuerst geht es an der Außenseite hinauf. Zwischen zwei dicken Felsblöcken klafft ein dunkles Loch. Dort sollen wir 57 Meter schräg hinunter steigen. Gebückt. Püh. Klaustrophobie adé. Michi verabschiedet sich wieder einmal von einer Urangst. Der Abstieg beginnt. Die Luft ist stickig, aber nicht unangenehm. Es riecht nur leicht nach Ammoniak. Unten überlegen wir kurz, wie viele Tonnen Gestein jetzt über uns lasten. Doch dann müssen wir noch eine enge Leiter hinauf. Das war erst die Vorkammer. Wir sind jetzt mitten in der Pyramide von Meidum. Die Grabkammer ist natürlich leer, aber die Wände sind noch glatt mit Kalkstein verputzt. Dicke Zerdernholz-Balken stützen das Gestein. Gut zu sehen: Die Blöcke liegen exakt aufeinander. Die Kanten sind wie mit dem Messer gezogen. Unglaublich, die Baukunst der alten Ägypter. Auf dem Rückweg nach oben kommen wir ins schnaufen. Hübsch anstrengend, diese Art der Reise-Archäologie…

Wie vor 1000 Jahren: Frauen waschen ihre Wäsche am Nil. Der Fluß brachte das Leben nach Ägypten. Foto: www.nikkiundmichi.de

Fahrt durch das Niltal

Wir fahren wieder Richtung Norden. Direkt hinter der Pyramide ist die Wüste zu Ende. So scheint es. Alles ist plötzlich satt grün. Wasser plätschert. Wir sind im Niltal. Unser Guide Ahmed schaut verträumt: „Der Nil hat Ägypten das Leben geschenkt.“ Ohne den gigantischen Fluss wäre hier nur Wüste. Das Leben ist einfach. Unfassbar für europäische Verhältnisse: Bauern beackern mit Ochsen und Eseln die Felder. Auf den staubigen Straßen fahren die Gespanne, beladen mit riesigen Maisbüscheln. Die Frauen waschen ihre Wäsche per Hand im Fluss. Kinder baden in den Seitenarmen und Kanälen. Gesund ist das nicht, sondern im Gegenteil, sehr gefährlich: Die Larven des Hakenwurms können sich durch die Hautbohren und in der Leber des Menschen vermehren. Bilharziose ist das reale Schreckgespenst.
Die Menschen sind fröhlich, winken uns zu. Doch aussteigen, fotografieren und einzelne Menschen befragen und filmen sollen wir nicht, rät Ahmed. So zieht die surreale Landschaft vom hart erkämpften Paradies mitten in der Wüste an uns vorbei.

Dahschur: Die Knickpyramide und die Rote Pyramide

Ahmed hat versprochen, uns viele Insider-Orte zu zeigen. Er hält Wort. Wir fahren durch ein Militärgebiet, das noch nicht lange für Besucher geöffnet ist. Hier wurde Öl gefunden und bis heute gefördert. Mitten im Wüstenareal in der Provinz Dahschur stehen zwei Pyramiden. Die so genannte Knickpyramide ist den Erbauern nicht wirklich gelungen. Sie hat zwei Winkel. Das gefiel dem Pharao Snofru nicht. Er ließ kurzerhand eine neue Pyramide in 1,7 Kilometern Entfernung errichten – die Rote Pyramide. Ein verrücktes Vorhaben, wenn man bedenkt, dass der Bau eines solchen Monuments Jahrzehnte dauern konnte.

Video: Festgefahren – Rettungsaktion in der Wüste

Wir machen uns auf den Weg zur Roten Pyramide. Unser Fahrer ist ein guter Geländekenner, lenkt den Minibus sicher über Schotterpisten am gefährlichen Weichsand vorbei. Wer hier nicht aufpasst, steckt fest. Zwei Dünen weiter wissen wir, wie so etwas aussieht. Eine asiatische Touristengruppe steht hilflos um ihren Kleinbus herum, ist etwas erschrocken. Der Wagen sitzt mit den hinteren Reifen tief im Weichsand. Wir helfen. „Altes Wüstengesetz“, sagt Ahmed. „Nächstes Mal könnte es uns erwischen.“ Hier das Video von der „Rettungsaktion“:

Eine Viertelstunde später ist der Minibus wieder flott, auch wir setzen unseren Weg fort.

Rote Pyramide: Tief im Bauch des Steinkolosses

Die zweite Pyramide wird von den Ägyptern schlicht rote Pyramide genannt. Sie ist ebenfalls Teil der ägyptischen Nekropole (Totenstadt). Tatsächlich ist der Stein ein wenig dunkler und erinnert an rote Farbe. Ein bildschöner Bau. Auch hier sind wir mit den Polizisten und einheimischen Pyramidenwächtern nahezu alleine. Ägypten live. Ahmed sagt: „Ich war schon so oft in der Pyramide, wenn Ihr sie sehen wollt, geht allein.“ Etwas später werden wir erfahren, warum Ahmed keinen Wert auf den Trip in den Bauch der Roten Pyramide legt…
Die Rote Pyramide von Dashur. Foto: www.nikkiundmichi.deDer Eingang liegt in rund 30 Meter Höhe. Bislang haben wir die Hitze von rund 37 Grad gar nicht übermäßig wahrgenommen. Doch der kurze Aufstieg jetzt hat es in sich. Bereits nach den ersten 20 Schritten verabschieden sich die ersten Tröpfchen wehmütig aus dem Nacken und treten die Reise gen Steißbein an. Oben angekommen liegen auch die sonst so vertrockneten Unterschenkel im Schwimmdock. Am Eingang, einem des dunklen Loch, verabschiedet sich Ahmed, will hier warten. Michi schluckt den Rest Klaustrophobie hinunter und folgt Nikki, die bereits tief gebückt auf dem Weg in den steilen Schlund der Pyramide unterwegs ist. 65 Meter tief ist der Schacht.
Zeit genug, um mindestens 65 Mal an Erdbeben, dumme Zufälle und qualvolles Ersticken zu denken. Dann öffnet sich die Vorkammer. Das Herz pumpt. Anstrengung, geringer Sauerstoffgehalt und der beißende Ammoniakgeruch werden die Aufenthaltsdauer begrenzen.
Noch ein Loch, wieder eine Kammer. Und eine steile Holztreppe, die nach oben führt. Dort liegt die Grabkammer der Roten Pyramide von Dashur. 13 Meter hoch. Nach oben verjüngt sich der Raum stufenförmig. Die typische Bauweise von vor 4500 Jahren. Und warum sollte jetzt einstürzen, was so lange gehalten hat? Euphorie brandet auf. Ein magischer Ort trotz oder gerade wegen der widrigen Umstände. Eine fantastische Erfahrung!
Keine Zeit, weiter nachzudenken, wir sind schon auf dem Rückweg. Jetzt liegt der steile Schacht vor uns. Nikki sprintet geradezu. Die Oberschenkel schmerzen, brennen. Laktat droht, die Muskeln zu blockieren. Als wir oben sind, nickt Ahmed anerkennend: „Mindestens deutscher Rekord…“ Am nächsten Tag werden wir rekordverdächtigen Muskelkater haben.

Video: Die Grabkammer der Roten Pyramide von Dashur

Oben auf der Seite zeigen wir das Video aus Grabkammer der Roten Pyramide von Dashur.

Shisha mit Blick auf Giza

Michi schmaucht eine Shisha (Wasserpfeife) auf der Dachterrase. Dahinter die Pyramiden von Giza. www.nikkiundmichi.deGenug für heute, wir machen uns langsam auf den Rückweg. Stoppen noch in einem Restaurant, vor dem die unvermeidlichen Bakschisch-Jäger auf Touristen lauern. Hier pauken und trompeten sie, was Lungen und Ärmchen hergeben. Wer schon im Garten bei Falafel und Hummus sitzt, weiß so immer, bescheid, sobald neue Gäste auflaufen. Nach kurzem Träräh sinken die Instrumente, heben sich die Hände. Wer nix gibt, wird auch mal festgehalten. Freundlich, versteht sich. Das Essen ist prima. Gemüse und Hähnchen, dazu die typischen Vorspeisen (Mezzeh). Dazu gehören Fladenbrot, mehrere Pasten und gefüllte Weinblätter. Auf dem Weg nach draußen unterbrechen wir das permanente Reiben von Daumen, Zeige- und Mittelfinger mit kurzen arabischen Worten. Nur das hilft.

Dann sinken wir auf der Dachterrasse unseres Hotels in die Stühle, ordern starken Mokka und eine Shisha (Wasserpfeife). Mit dem wunderbaren Blick auf die Pyramiden lassen wir den Tag ausklingen.

Hier die Fotogalerie vom Reisebericht Ägypten, Tag 2:

  1. Schöne Geschichten aus tausend und einer Nacht mal wieder von euch! Ich freu mich schon auf den kompletten Film, bald wieder in hamburg!!! :) weiter so! Wir sind (fast) live dabei.

  2. … aber an deinen Kausalsätzen musst du arbeiten… gruß von Jan ;)

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