Reisebericht Peru: über die Anden nach Puno

Peru: eine Quechua-Frau schaut in die Kamera.Mangos frisch vom Baum. Vor Ort gereifte Grenadillas (Passionsfrüchte, Maracuja), cremig reife Papayas, saftige Orangen und Melonen. Wer diese Vielfalt einmal so frisch und reif genossen hat, kann sich in Deutschland sicher nur schwer an die Supermarkt-Ware gewöhnen. Nach dem Frühstück in Cusco geht’s mit dem Linienbus nach Puno. Der Trip von Cusco nach Puno wird den ganzen Tag dauern. Zwischendurch wollen wir Inka-Stätten und typische peruanische Dörfer besuchen. Das Ziel: der Titicacasee, das höchste schiffbare Gewässer der Welt…

Über die Anden nach Puno

An das frühe Aufstehen sind wir mittlerweile gewöhnt. Wir haben einen weiten Weg vor uns. Von Cusco, dem Nabel der Welt – wie die Inka sagten, bis nach Puno am berühmten Titicacasee. Ein Tagestrip. Die Strecke soll malerisch sein. Sie führt über einen Teil des Altiplano, des andinen Hochlandes Südamerikas. Wir fahren mit dem Linienbus. Eine ultrakomfortable Angelegenheit, wenn man die 1. Klasse bucht. Dieser Reisebus macht einige Stopps unterwegs, das Reisegepäck bleibt bequem im Bauch des Busses. Unser erster Halt: ein kleines altes Indianerdorf. Wir besuchen kurz die pittoreske Kirche, dann schlendern wir durch die holprigen Gassen des Dorfes. Die kleinen Häuschen sind aus Lehm gebaut, ab und zu schlurft eine alte Quechua-Frau in bunter Tracht vorbei. Hier ist die Zeit stehen geblieben. Supermärkte oder andere größere Geschäfte gibt es nicht. Nur einen kleinen Tante-Emma-Laden, der alles und nichts führt.

Unterwegs in den Anden: von Cusco nach Puno in Peru.

Unterwegs in den Anden: von Cusco nach Puno in Peru.

Geschickte Quechua-Frauen

Die Quechua-Frauen sind geschickt in der Handarbeit. Das erkannte Lucy Terrazas aus Cusco schon vor Jahren. Die heutige Regierungsrätin der Bezirks Andahuaylillas zog ein Projekt auf, um den Frauen der untersten Schichten ein kleines Einkommen zu ermöglichen. Kunstvoll fertigen sie kleine bunte Handpuppen. Für den Einkauf der Rohmaterialien, den Vertrieb und die Verwaltung sorgen Lucy Terrazas und Projektpartner Julio Herrera. Was mit sieben Frauen und einer Handvoll Puppen begann, ist heute ein Unternehmen mit über 100 Beteiligten. Das verdiente Geld wird für die Familien der Frauen, in Bildung, Ernährung und Hygiene eingesetzt. Bald soll noch ein Kinderhort gebaut werden. Projekt-Chefin Luzy Terrazas will so die Abwanderung der armen Landbevölkerung in die Slums der Großstädte verhindern, Frauen mehr Selbstvertrauen geben und die Stellung der Ärmsten stärken… Beeindruckt fahren wir weiter.

Quechua unter sich: Dorfleben auf dem Altiplano der Anden in Peru.

Quechua unter sich: Dorfleben auf dem Altiplano der Anden in Peru.

Pucara: Blick in die Geschichte Perus

Nach dem Einblick in die Gegenwart in eine der ärmsten Regionen der Welt folgt ein Ausflug in die Vergangenheit Perus. Pucara. Eine alte Anlage der Inka. Ruinen eines Tempels und eine Ansammlung vieler steinerner Rundbauten (Tambos) mit Lehmputz und Strohdach. Hier lagerten die Inka ihre Vorräte und Waffen. Alle 30-40 Kilometer wurden solcher Lagerhäuser angelegt, um eine Versorgung der Bevölkerung auch in ernteschwachen Jahren zu gewährleisten. Die Tambos waren auch Stationen der Nachrichtenläufer. Diese „Postboten“ der Inka liefen mit den wichtigsten Neuheiten von einem zum anderen Tambo – so konnten Meldungen effizient und innerhalb kürzester Zeit über das Inka-Reich verbreitet werden.

Das Hochland der Anden: ein Panorama zum Träumen

Das Altiplano: Andenpanorama in Peru.

Das Altiplano: Andenpanorama in Peru.

Die Fahrt führt uns weiter, immer höher durch das Hochland der Anden. Die Landschaft ist weit. Peru ist mehr als 3,5 Mal größer als Deutschland – bei nur rund 30 Millionen Einwohnern. Viele Menschen sind hier nicht zu sehen. Schneebedeckte Gipfel der Kordilleren säumen den Horizont, davor unendliche Weiten tiefbrauner Erde und saftig grüner Wiesen. Alpakas und Lamas weiden darauf. Ein Panorama zum Träumen. Doch die Schönheit der Landschaft täuscht über die Härte des Alltags hinweg: Hier oben ist die Luft dünn, rund 3800 Meter hoch sind wir schon. Viel Landwirtschaft ist bei diesen Bedingungen kaum möglich. Daher steht die Wollgewinnung an erster Stelle. Bei einem weiteren Stopp lernen wir, Alpakas und Lamas (dünnere und lange Hälse) auseinander zu halten. Überall kleine Ställe mit Meerschweinchen. Die werden hier allerdings nicht als possierliche Haustierchen gehalten, sondern verspeist. Meerschweinchen und Kartoffeln – ein echtes Festessen in Peru.

Abra la Raya liegt 4338 Meter hoch: Der Pass Abra la Raya über die Anden von Cusco nach Puno am Titicacasee.

Abra la Raya liegt 4338 Meter hoch: Der Pass Abra la Raya über die Anden von Cusco nach Puno am Titicacasee.

Abra La Raya: Der Pass auf 4300 Metern Höhe

Weiter durch die Anden. Bis auf 4300 Meter steigt die Straße. Der Wind pfeift kalt, als wir am Abra La Raya-Pass spazieren gehen. Wir kommen nur langsam voran. Anstrengungen sind kaum möglich, die Luft ist einfach zu dünn. Was für ein Gefühl: Wir sind mit einem Schlag um Jahrzehnte gealtert. An Joggen ist nicht zu denken, ein Schritt nach dem anderen, läuft man zu schnell, huschen Schwindel und Atemnot heran. Es ist kalt. Wir steigen wieder ein. Andere Mitreisende sind gleich sitzen geblieben. Sie wurden schon vorher mit Sauerstoff und Spezialtabletten behandelt – die Höhenkrankheit greift mit starken Kopfschmerzen und Übelkeit an…

Gegen die Höhenkrankheit: Kokablätter kauen

Uns geht es prima. Wir arbeiten permanent präventiv. Mit Koka-Tee. Außerdem kauen wir unentwegt die Koka-Blätter gegen die Höhenkrankheit, die wir auf dem Markt in Aguas Calientes von einer alten Bäuerin erstanden hatten. Die Blätter mit einer Prise Kalk und Pottasche durchzukauen, ist übrigens kein wirklicher Genuss. Nikki erfindet glücklicherweise ein erträgliches Rezept, mischt Lakritz unter den Pflanzenbrei. Doppelter Gewinn durch das Koka-Kauen: keine Probleme mit der Höhe, keine Müdigkeit auf den langen anstrengenden Tagestrips… Es geht abwärts. Jedoch nicht viel. Denn auch unser Ziel – Puno am Titicacasee – liegt auf 3800 Metern Höhe.

Puno und der Titicacasee

Puno am Titicacasee: Anfahrt auf den höchstgelegenen schiffbaren See der Welt.

Puno am Titicacasee: Anfahrt auf den höchstgelegenen schiffbaren See der Welt.

Dann taucht er auf – der Titicacasee. Die Stadt Puno liegt in einer Bucht des gigantischen Gewässers (mit über 8500 Quadratkilometer 13 Mal so groß wie der Bodensee) am sanft geschwungenen Hang. Puno wird auch Stadt der Folklore genannt – kein Monat ohne größere Festumzüge. Bei unserer Fahrt zum Hotel sehen wir so einen Umzug. Puno hat rund 100.000 Einwohner, wächst schnell. Unsere junge peruanische Reisebegleiterin Raquel erklärt: „Die Bauernfamilien aus dem Umland schicken ihre Kinder zum Arbeiten hierher. Meist werden sie Hausangestellte der besserverdienenden Familien in Puno.“ Schon sieben- bis zehnjährige müssen so ihren Lebensunterhalt verdienen. Puno selbst lebt unter anderem vom Fischfang aus dem See. Forellen gibt es hier, außerdem sind Brassen beliebte Speisefische. Puno ist – im Vergleich zum malerischen Cusco – nicht gerade eine Schönheit. Die meisten Häuser um das Zentrum herum sind hässliche unfertige Rohbauten. Raquel weiß, warum: „Die Steuern für fertige Häuser sind höher, deswegen machen Bewohner nur die Zimmer fertig. So sparen sie bares Geld.“

Unser Hotel liegt auf einer kleinen Insel im See, mittlerweile über eine schmale Straße zu erreichen. Das ehemalige Gefängnis, ist nun eine Oberklasse-Herberge. Das Zimmer bietet einen atemberaubenden Blick durch eine Panorama-Scheibe über die Bucht des Titicacasees auf Puno. Die abendlichen Lichter der Stadt reflektieren sich in tausend Farben auf der Wasseroberfläche. Wir lassen die Vorhänge offen und schauen noch lange auf den höchsten schiffbaren See der Welt. Bis uns die Augen zufallen.

Morgen fahren wir von Puno bis Copacabana. Dazu müssen wir über die Grenze – von Peru nach Bolivien. Dann geht es mit dem Boot auf den Titicacasee. Wir wollen Inseln mit Inka-Spuren besuchen und die Gebräuche der Einwohner auf den eigenwilligen Schilfinseln kennenlernen.

Reisebericht Puno, Peru – Fotogalerie


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